Ein Zitat zu Beginn

„Das erste große christliche Kloster wurde von Benedikt von Nursia im 6. Jh. auf dem Monte Cassino in Italien gegründet. Von dort aus und seit dieser Zeit haben die Mönche und Nonnen die Fackel ihrer Berufung weitergegeben und tun es immer noch. (…)
Es begann mit der Frage, wie einfache Leute, die Jesus ein wenig mehr als nur auf die gewöhnliche Weise nachfolgen wollten, christlich miteinander leben könnten – und führte zu einem ersten Fall von Globalisierung, nämlich einer beispiellosen, die ganze Welt umspannenden Kette von Niederlassungen in den Tälern und den Zitadellen auf den Bergen, die ihr Licht anzündeten, wenn es dunkel wurde.
Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass die christlichen Klöster zum wertvollsten Erbe des Abendlandes geworden sind. Nonnen und Mönche bewahren in den Mauern ihrer Klöster und in ihren Herzen gewissermaßen die Quellcodes für die richtige Lebensweise auf und halten mit ihrem Dienst für Gott und Mensch zuverlässig ein ewiges Licht am Leuchten. Man kann sie mit der Wirkung von Katalysatoren vergleichen. Für die Reinigung unserer geistlichen Luft sind sie mindestens so notwendig, wie es die Alpen sind, um im Smog der Metropolen überhaupt noch Atem zu bekommen.“

(Aus „Peter Seewald: Die Schule der Mönche“)

 

 

Das Kloster Hirsau heute

Vom 1692 zerstörten Kloster St. Peter und Paul stehen heute nur noch Ruinen (einzige Ausnahmen: Marienkapelle und Eulenturm). Trotzdem sind wir der Überzeugung, dass von den fast 1000 Jahren Gebet, Arbeit, Glaube, Schweigen, Singen, Hören, Hoffen und Dienen auch heute noch etwas spürbar ist auf dem Gelände des Klosters.           
Wir von der evangelischen Kirchengemeinde Hirsau wollen – in Zusammenarbeit mit unseren Freunden von der katholischen Kirchengemeinde Bad Liebenzell-Hirsau – dazu beitragen, dass Menschen an diesem ehemals „heiligen Ort“ wieder neu in Berührung kommen mit dem Geist, der über viele Jahrhunderte an diesem Ort geherrscht hat. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Unser geistlicher Klosterführer „Lebensraum“ => www.lebensraum-hirsau.de

Ab Mai bieten wir wieder regelmäßig geistliche Führungen durch unser Kloster an (Termine finden Sie hier). Für Gruppen können auch individuelle Termine vereinbart werden (Kontakt über unser Pfarramt).

 

Seit diesem Jahr finden sich außerdem sechs Gebetsstationen in unserer Marienkapelle, die während der Öffnungszeiten frei zugänglich sind und zum Gebet einladen.

 

Während des Klostersommers (www.klostersommer.de) bieten wir im Vorfeld der Konzerte in unserer Kirche eine besondere Fülle an Gebetsstationen, Taizé-Musik und Gesprächsmöglichkeiten an.

 


 

 

Kleiner geschichtlicher Überblick

In Hirsau gab es insgesamt drei Klostergründungen. Die erste Klostergründung fand vermutlich um 830 statt, als aus Oberitalien die Reliquien des heiligen Aurelius nach Hirsau in das bis dahin noch vollkommen unbewohnte Nagoldtal gelangten. Die Reliquien wurden in dem kleinen, unbedeutenden Kloster verehrt, das jedoch nicht lange bestand.

 

Mitte des 11. Jahrhunderts wurde es auf päpstlichen Wunsch hin neu gegründet und mit zwölf Benediktinermönchen aus dem Kloster Einsiedeln besetzt. Über den Mauern des ersten Klosters entstand ab 1059 das zweite Aureliuskloster mit einer neuen Kirche und Konventsgebäuden. Als Abt des Aureliusklosters wurde der junge Mönch Wilhelm aus der Abtei St. Emmeram bei Regensburg ernannt. Mit seiner Berufung begann die Blütezeit des Klosters. Es erhielt einen solchen Zulauf, dass es schon wenige Jahre nach seiner Gründung zu klein wurde.

 

1082 begannen die Bauarbeiten für eine neue Klosteranlage auf dem gegenüberliegenden Ufer der Nagold, die große Basilika wurde im Jahre 1091 eingeweiht. Dieses dritte Kloster auf Hirsauer Boden wurde den Aposteln Peter und Paul geweiht. Das alte Aureliuskloster blieb als untergeordnetes Priorat bestehen.
Das Peter- und-Paulskloster wurde zu einer der einflussreichsten Abteien im Römischen Reich. Abt Wilhelm entwickelte in seinem Kloster die Reformen der französischen Abtei in Cluny weiter, die für eine strengere Auslegung der Benediktsregel – Askese, Disziplin und Gehorsam – eintrat. Auch ein Leben in Armut und in brüderlicher Gemeinschaft wurde gefordert. Die Reformen von Abt Wilhelm entfalteten eine große Wirkung: Von Hirsau ausgehend wurden über 120 Klöster im deutschsprachigen Raum reformiert.
Die erste Blütezeit von St. Peter und Paul dauerte bis um 1250. Dann folgte eine Zeit des Niedergangs. Mitte des 15. Jahrhunderts schlossen sich die Hirsauer Mönche ihrerseits einer Reformbewegung (der Bursfelder Reform) an, die dem Kloster eine zweite Blütezeit und die Mittel zu Neubauten bescherte. Mit Ausnahme der Kirche wurden um 1480 die romanischen Bauteile abgebrochen und durch neue, hochgotische Bauten ersetzt, darunter die Konventsbauten und der Kreuzgang. Andere wurden gänzlich neu errichtet, wie die Marienkapelle im Jahr 1508.

 

In der Zeit der Reformation wurde das Kloster schließlich aufgehoben. Herzog Christoph von Württemberg ließ in Hirsau ab 1556 eine evangelische Klosterschule einrichten. Wenig später erbaute sich sein Sohn, Herzog Ludwig, an der Stelle des Abtshauses ein repräsentatives Jagdschloss.

 

Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges steckten 1692 französische Truppen die Gebäude des ehemaligen Klosters in Brand und zerstörten damit nahezu die gesamte Klosteranlage.